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Anatomisch-Physiologischer Aspekt der Atmung




Anatomisch-Physiologischer Aspekt der Atmung

"Durch die vielfache Verbindung der Atmung mit fast allen körperlichen Vorgängen ist es nicht verwunderlich, daß die Atmung von allen vegetativen Abläufen das zuverlässigste und empfindlichste Reagenz auf geistige und seelische Reizeinwirkungen ist." (L. Schmitt, Atem-heilkunst)

Wir können sagen, daß die Atmung als wichtigster StoffWechselvorgang im lebenden Organismus wirkt. Denn wer keine Luft erhält, stirbt innerhalb kürzester Zeit. Gesteuert wird unsere Atmung chemisch, vegetativ und mechanisch-reflektorisch durch das Atemzentrum, das sich im Hirnstamm am Übergang vom Rückenmark zum Gehirn befindet (verlängertes Rückenmark). Das Atemzentrum erhält seine Meldungen u. a. von Chemorezeptoren im Aortenbogen und der Carotisgabelung, die den 02 und CO2-Gehalt im Blut messen und den CO2-Gehalt und PH-Wert (Säurespiegel) des Liquors angeben. So wird die quantitative Luftförderung dem Bedarf des Organismus angepaßt. Die mechanisch-reflektorische Steuerung übernimmt in erster Linie die Aufgabe, den durch zuvor chemischer Steuerung erhaltenen Lufthaushalt so zu regeln, daß das Verhältnis zwischen Atemtiefe und Atemfrequenz für den Gasaustausch möglichst vorteilhaft ist

Ein Überschuß von Kohlendioxid reizt das Atemzentrum zur Abgabe von Einatemimpulsen. Über den Nervus-Vagus fließen bei Aufblähung der Lungen Erregungsströme in das Atemzentrum. Diese hemmen auf dem Höhepunkt der Einatmung deren Weiterführung über das Atemzentrum. Dadurch wird eine Umschaltung bewirkt von der Ein- zur Ausatmungsphase. Somit steuert die Lunge selbst reflektorisch über den Nervus-Vagus das jeweilige Verhältnis vom "Atemrhythmus" zum Atembedarf. Mitbeeinflussend für die Atembeschaffenheit ist der Tonus des Zwerchfells bzw. der Atemmuskeln. Jede Tonusänderung wirkt über den Reflexbogen (s. o.) auf die Atemform. Beispielsweise hat ein Festhalten des Zwerchfells häufig eine vehemente Atemstörung zur Folge. Das Leben des Zwerchfells wird dann oft durch eine Tätigkeit der Brustmuskulatur ersetzt. Dies bewirkt: Brust bläht sich auf, Atem wird gezogen, Atemfluß ist erheblich gestört, Schultern verspannt etc.. Demnach greift auch das fein abgestimmte Zusammenspiel von Muskulatur, Gewebe und - einzelne Teile des äußeren Atem¬apparats etc. - als Reiz in das motorische Atemgeschehen ein. Das Atemzentrum ist mit vegetativen Zentren im Hirnstamm mit dem Hypothalamus (oberste Schaltstelle des V.S.) dem Thalamus und anderen maßgeblichen Gebieten des sensomotorischen Nervensystems verbunden.

Daraus können wir ableiten, daß die Atmung auch willentlich gesteuert werden kann. Einflüsse von Sinnesorganen, Hormonen, psychischen Prozessen, Dehnungsrezeptoren in Muskeln und Gelenkkapseln, Singen, Sprechen, ja sogar Denken bestimmen unser Atemgeschehen.

Der Erfahrbare Atem bildet eine Brücke zwischen dem willkürlichen und unbewußten Atemgeschehen. Das unbewußte, ungehinderte Atemgeschehen läßt sich noch am deutlichsten bei einem Säugling erkennen. Wenn wir ein Kleinkind beobachten, wenn es schreit, können wir wahrnehmen, daß es seinen Schrei noch wie von der Atmung tragen läßt. Ganz ökonomisch wird hierbei die Atemkraft eingesetzt. Deshalb ist es auch für solch ein kleines Wesen möglich, sich über große Zeiträume hinweg mit seiner durchdringenden Stimme bemerkbar zu machen. Der Atembewegung des Säuglings ist also noch die Tür geöffnet, den kleinen Leib frei zu durchweben.

Wie eine Welle des Ozeans bahnt sie sich den Weg durch den jungen Körper.

Wenn wir willentlich in unser Atemgeschehen einwirken, so wird dieses in seiner Ganzheitlichkeit zerrissen. Muskeln, die dem motorischen System angehören, werden eingesetzt, und die feine Koordination der unwillkürlich arbeitenden Muskulatur wird gestört.

Seminar am 19.09.2010 - The Joy of Chanting

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